
Das deutsch-türkische
Trommeltalent
DARMSTÄDTER ECHO /
16.04.2004
Musik -
Schlagzeuger Aliyar Kinik aus Ober-Ramstadt ist reif für den Bundeswettbewerb,
mit zwölf Jahren aber noch zu jung.
Glänzend
ist
das Schlagzeugspiel von Aliyar Kinik aus Ober-Ramstadt.
Beim Landesentscheid von „Jugend musiziert" vor zwei Wochen in Darmstadt gab
die
Jury ihm 24 von 25 Punkten.
Am Bundesfinale darf das zwölf Jahre alte Rhythmustalent dennoch nicht
teilnehmen.
FOTO:
Karl-Heinz bärtl
VON CEM TEVETOGLU
OBER-RAMSTADT.
Am liebsten klöppelt Aliyar Kinik „Alle meine Entchen" auf dem Marimbaphon, dem
etwa drei Meter langen Riesenxylophon. „Aber Türküler sind auch gut", sagt der
zwölf Jahre alte Ober-Ramstädter türkischer Abstammung und setzt sich aufrecht
ans Drumset im Schlagzeugraum der Akademie für Tonkunst in Darmstadt. „Türküler",
das sind anatolische Volkslieder.
„Burum-burum-ba,
burum-burum-ba". Stakkatoartig und wahlweise im Neun- oder Sechs-Achtel-Takt
streicht Aliyar über Snare und Hängetoms. Das klingt, als hätten die einen
gehörigen Schluckauf und groovt trotzdem. Aliyars Kopf wippt mit.
Beim hessischen
Landeswettbewerb Jugend musiziert" vor zwei Wochen in Darmstadt spielte Aliyar
allerdings keine türkischen Rhythmen. Jazz-, Marsch- und klassische
Schlagzeugkompositionen waren hier angesagt. Im Solowettbewerb ertrommelte er
sich 24 von 25 Punkten - Platz eins und das Jury-Urteil „hervorragend".
Am Bundesfinale
Ende Mai in Trossingen darf Aliyar trotzdem nicht teilnehmen. Aliyar ist zu
jung. Mitmachen darf nur, wer mindestens 13 Jahre alt ist. „So sind die Regeln,
da ist nichts zu machen", bedauert auch Thomas Weiler, sein Schlagzeug- und
Perkussionslehrer an der Akademie. In der Ensemblewertung konnte Aliyar bereits
im vergangenen Jahr in Weimar Bundeswettbewerbsluft schnuppern. Hier zählt der
Altersdurchschnitt der Gruppe. Gerne hätte er national auch solo gezeigt, was er
rhythmisch so drauf hat.
Aus der Ruhe
bringt ihn die Regelung aber nicht. „Ich will ja kein Popstar werden", sagt er
ernst. Sondern ausgebildeter Musiker. Die sechste Klasse der
Lichtenberg-Gesamtschule in Ober-Ramstadt besucht Aliyar dennoch weiterhin.
„Akademie und Schule - das hängt doch zusammen", mahnt Papa Abuseyf Kinik, der
selbst die Sas, ein mandolinenähnliches Saiteninstrument, bei „Gurup Dervisler"
zupft. Aliyars Berufs wünsche stehen aber schon jetzt fest: „Musiker,
Schlagzeuglehrer oder Komponist - so wie Mozart." Da muss Abuseyf Kinik dann
doch stolz lächeln.
Papa und Sohn
standen schon gemeinsam auf der Bühne. Beim monumentalen „Semah"-Konzert im
Oktober 2002 in Istanbul drehten sich 1200 Tänzer nach alewitischer Tradition
zu Klängen, die 1500 Sas-Spieler erzeugten - darunter Aliyar und Abuseyf Kinik.
Gemeinsam hören sie sich oft Aufnahmen berühmter türkischer Schlagzeuger und
Perkussionisten an. Aliyar erkennt sie an der Art ihres Spiels und hört die
Noten heraus. „Er hat ein sehr gutes Gehör", sagt Papa Abuseyf.
Mit drei Jahren
begann Aliyars Karriere als Drummer: „Da hab ich immer auf Töpfen und
Salatschüsseln herum gehauen." Mit vier schenkte ihm der Onkel ein gebrauchtes
Drumset. Mit sechs ging es zur musikalischen Früherziehung an die Darmstädter
Akademie für Tonkunst. Dort bedient Aliyar heute die anatolische Trommel im
Perkussionsensemble „Djerimba", das geleitet wird von "Meister Weiler", wie
Aliyar seinen Lehrer nennt.
Seit
September ist das Rhythmustalent „Privatschüler mit Sonderrechten". Aliyar darf
"in die Akademie kommen und üben, wann und so lange er möchte. Zwei bis drei
Stunden tut er das nach eigener Auskunft täglich. Damit zu den mehr als hundert
bisherigen Auftritten noch ein ganz Besonderer dazu kommt: Die Soloperformance
beim Bundesfinale von „Jugend musiziert“
weitere Links:
http://www.akkordeon-griesheim.de/artikel/konzert_2004_de.html
Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an:
Aliyar Kinik
Gg-Sachse.Str.26, 64295 Ober-Ramstadt
Tel.: (06154) 4358
Fax:
Internet:
info@aliyarkinik.de
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